tel: +49 (0) 6203 673 2004
fax: +49 (0) 6203 673 2002
xx-expo.com
startseite Unsere Leistungen news über uns kontakt

Biogasbranche kämpft ums Überleben – Chancen auf dem osteuropäischen Markt?



Die durchgehend gute Laune und die zufriedenen Gesichter auf der Agritechnica, der weltweit größten Agrarmesse in Hannover, verblassten, sobald man die Hallen für die Hersteller von Biogasanlagen betrat. Mit 70 Prozent Marktrückgang hat die Branche derzeit zu kämpfen. Wurden 2011 noch 1.270 Anlagen gebaut, geht der Biogas Fachverband für 2013 von ca. 205 Anlagen aus.

Unterschiedliche Gründe für diesen massiven Rückgang wie die Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG 2012), die stark gestiegenen Rohstoffpreise und neue gesetzliche Vorgaben machen der Biogasbranche „das Leben schwer". Zusätzlich wird die Branche durch die Pläne der neuen Koalition beeinträchtigt: Es sollen nur noch die Biogasanlagen gefördert werden, die Abfall- und Reststoffe vergären. Energiepflanzen haben in diesem Konzept keinen Platz mehr.
Horst Seide, der Präsident des Fachverbandes Biogas, sprach auf der Pressekonferenz gar vom Aussterben der Branche, wenn die Koalition ihre Pläne durchsetzt. „Dass überhaupt noch relativ hohe Umsätze erwirtschaftet werden, liegt zur Zeit vor allem am Auslandsgesc häft", so der Präsident.

Einige Aussteller sehen allerdings in den verschärften Marktbedingungen auch neue Chancen auf den ausländischen Märkten. AD AGRO Systems GmbH & Co. KG ist einer der Anbieter, der auf umfangreiche Erfahrungen beim Bau von Biogasanlagen im Ausland zurückgreifen kann. Das Unternehmen aus dem niedersächsischen Vechta blickt auf 10 Jahre Erfahrung zurück und auf über 150 realisierte Projekte. Eine der Anlagen wurde von AD AGRO Systems im russischen Belgorod 2012 fertig gestellt.
xx-expo hat Herrn Mathias Haller, den Projektplaner bei AD AGRO, interviewt und mit ihm die Möglichkeiten der Weiterentwicklung auf den osteuropäischen Märkten erörtert.

Herr Haller ist mit 15 Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland umgesiedelt; er verfügt nicht nur über eine Ingenieursausbildung, sondern auch über hervorragende Kenntnisse in Deutsch und Russisch. Die Beherrschung beider Sprachen haben ihm und seinen Kollegen die Planung, die Projektierung sowie die Kommunikation in Russland enorm erleichtert.

Das Projekt dauerte ca. zwei Jahre und wurde in Zusammenarbeit mit Big Dutchman und OOO AltEnergo realisiert. Die 2,4MWel Anlage wurde im Juni 2012 ans Netz angeschlossen. Doch zuvor mussten einige Schwierigkeiten bei der Umsetzung gemeistert werden. Derzeit stellen die geltenden Zollbestimmungen Russlands für die deutschen Hersteller von Biogasanlagen besondere Herausforderungen dar. Erschwerend hinzu kommen die Bestimmungen im russischen Gesellschafts- und Arbeitsrecht. Nur ein Unternehmen, das in Russland eine Niederlassung vorzuweisen hat, darf dort auch tatsächlich Arbeitnehmer beschäftigen oder seine Mitarbeiter in dem Projekt einsetzen, so der Planungsexperte.

Die Lieferung der Komponenten wurde durch Zollexperten abgewickelt und per LKW nach Belgorod transportiert. Da es in Russland derzeit nur wenige in Frage kommende Zulieferer gibt, mussten ausnahmslos alle Komponenten der Anlage importiert werden. Alles - bis zur letzten Schraube! - musste verzollt werden. Die dabei erforderlichen Formalitäten haben von AD AGRO viel Einsatz abgefordert, damit der Lieferplan eingehalten werden konnte.

Das Fachpersonal musste von dem russischen Geschäftspartner gestellt werden, das von Chefmonteuren aus Deutschland angeleitet wurde. Selbst arbeiten durfte Herr Haller nicht, um nicht gegen die Auflagen zu verstoßen, „nur" die Projektleitung war ihm erlaubt.

Neben den Zoll- und den arbeitsrechtlichen Bestimmungen, der fehlenden Regelung für das Einspeisen von Strom ins öffentliche Netz, der fehlenden finanziellen Förderung der „Grünen Energie", stellt eine schnelle Versorgung mit Ersatzteilen eine besondere Herausforderung für die Projekte im Ausland und vor allem in Russland dar. Sie sind keineswegs unlösbar, setzen aber zurzeit viel Geduld und Verständnis bei Kunden voraus.

Den Bedarf an Biogasanlagen in Russland vermag der Projektplaner nicht genau einzuschätzen. Russland ist reich an eigenen Bodenschätzen, insbesondere an Öl- und Gasvorkommen, womit die Biogastechnologie konkurrieren muss. Andererseits stieß er bei ansässigen Unternehmen häufig auf den Wunsch nach einer Möglichkeit zur Verwertung der tierisch/organischen Abfälle. Das bittet die Biogastechnologie an und nebenbei gibt sie eine Möglichkeit für eine ökologisch-biologische Stromgewinnung.

Auf die Frage, ob Herr Haller an die Vereinfachung der Zollbestimmungen bedingt durch den WTO-Beitritt glaube, gibt sich der Experte zurückhaltend und verweist auf die politische Entscheidungsträger. Weitere osteuropäische Länder wie die Ukraine oder Weißrussland sieht Herr Haller durchaus als mögliche Absatzländer für Biogasanlagen. Eigene geringe Öl- und Gasvorkommen, große zu bearbeitenden Landflächen und Tierhaltungsbetriebe, deren Restprodukte gut verarbeitet werden können, eröffnen die Möglichkeiten zur Expansion in diesen Ländern. Wichtig ist auch eine angemessene Informationskampagne für die Zielgruppen über die Erzeugung von Biomasse und deren Aufbereitung, die Anlagentechnik, das Know-how sowie die Wirtschaftlichkeit.

Angelika Lerke


Weitere News zu diesem Thema:
Holzangebote.com ist ein virtueller Marktplatz für Brennstoffe und Bauholz
AgriAngebote.com ist ein virtueller Marktplatz für die Landwitschaft
Wir sind auf:
XX-Expo
Steinachstraße 30, 69198 Schriesheim
Deutschland


© 2008 - 2017 xxexpo
über uns
news
kontakt
impressum
datenschutz